So unterschreiben digitale Nomaden (ein PDF am MacBook)

Eine der besten Funktionen im Apple-Betriebssystem ist vielen Nutzern gar nicht bekannt – nämlich das einfache und schnelle Verändern eines PDFs, und vor allem das Einfügen der eigenen Unterschrift.

Schritt 1:
Auf einem Blatt Papier die eigene Unterschrift (oder auch den Firmenstempel) bereit halten

signature

Schritt 2:
Das PDF doppelt anklicken und in der Vorschau öffnen. Dort die Werkzeugliste einblenden und dann eine neue Signatur erstellen.

dokument.pdf (1 Seite)

Schritt 3:
Das Blatt mit der Unterschrift einfach vor die eingebaute Kamera halten, und schon wird die Unterschrift als Vektordatei erzeugt

Signaturaufnahme

 

Schritt 4:
Unterschrift (und/oder Firmenstempel) einfügen, fertig

fedd

Und besonders bequem: diese digitale Unterschrift bleibt für dich in deinem Benutzerprofil gespeichert. In meinem Fall habe ich auch noch den Firmenstempel so eingefügt, und wenn ich mal unterwegs bin und schnell etwas (nicht ganz dokumentecht) unterschreiben soll, dann ist das in 20 Sekunden erledigt.

 

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Interview mit Earthcity

Im Herzen bin ich ein Nomade, im Leben meist nur ein Geschäftsreisender.

Irgendwie hat Tim das erkannt und mich für seinen Blog Earthcity – reisen und ortsunabhängig arbeiten interviewt. Weil sein Blog wirklich lesenswert ist, und weil du ihn gleich anklickst und anschaust, veröffentliche ich das Interview hier einfach nochmal:

Peter, bitte stell Dich kurz vor. Wer bist Du, was machst Du, was treibt Dich an?

Der Konjunktiv treibt mich an. Und zwar im inneren Dialog, der beginnt mit den Worten: „Man müsste doch mal…“.

Ich suche gerne Möglichkeiten, und mich reizt die Herausforderung sie dann zu realisieren. Darum bin ich Gründer geworden. Wieder und wieder. Und bin nun Seriengründer. Habe acht Firmen aufgebaut und etliche weitere Projekte organisiert.

Das macht mir Spaß, und das kann ich am besten. Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Einige Firmen habe ich verkauft, andere laufen in meinem Portfolio weiter. Das beschäftigt im Moment knapp 100 Leute.

Und weil ich Gründer bin und kein Manager, führen andere Leute meine Firmen. Seit ich das begriffen und umgesetzt habe, macht mir mein Beruf mehr Spaß denn je. Schließlich habe ich mir keine Jobs geschaffen, sondern Firmen. Also arbeite ich auch nicht in meinen Firmen, sondern an ihnen.

Und endlich auch daran, kein schlechtes Gewissen mehr dabei zu haben.

Hast Du einen festen Wohnsitz? Reist Du viel? Wo in der Welt steckst Du gerade?

Als ich zum Studium nach Konstanz an den Bodensee gekommen bin, habe ich mich in den Bodensee verliebt. Hier will ich bleiben. Darum wohne ich hier und blogge als Bodenseepeter.

Eine zweite Wohnung habe ich in Wien, weil ab und zu muss ich dort nachschauen, ob das, was in Konstanz nur im Feuilleton steht, dort auch wirklich passiert. Außerdem habe ich dort eine Firma.

Aber knapp die Hälfte der Nächte eines Jahres verbringe ich auf Reisen. Diese Antworten tippe ich gerade in meinem Lieblingscafé in Konstanz, dem Voglhaus. Da sitze ich fast jeden Morgen und schreibe eine Stunde lang. Heute diese Antworten.

Würdest Du Dich selbst als eher sesshaft oder nomadisch bezeichnen? Könntest Du theoretisch von überall arbeiten?

Ich lebe nicht als Nomade. Aber ich liebe die Vorstellung des frei seins. Und Freiheit ist auch mein wichtigster Wert. Mein privates Büro ist komplett digital. Ich kann tatsächlich überall arbeiten.

Da ein großer Teil meiner Tätigkeit aus Kommunikation besteht, will ich den Menschen auch begegnen, mit denen ich zu tun habe. Darum bestehen die meisten meiner Reisen auch aus Besuchen bei interessanten Leuten, mit denen ich mehr zu tun haben möchte.

Ich arbeite übrigens am liebsten (und am besten) in Cafés.

Womit verdienst Du heute hauptsächlich deinen Lebensunterhalt und wie kam es zu dieser Tätigkeit?

Ich bin Unternehmer, und meine Firmen sind profitabel. Für meinen Lebensunterhalt muss ich nicht arbeiten.

Wie bist du in dieses Business hineingekommen? Interesse? Zufall? Erzähl ein bisschen über Deinen Weg.

Ich habe Mathematik und Philosophie studiert, und mich haben Logik und die Grundlagen von Mathematik und Sprache interessiert. Doch nach einem Jahr an der University of Toronto wollte ich die Größe von Kanada erfahren. Sprichwörtlich.

Darum habe ich mir ein Rad gekauft und bin einmal vom Pazifik zum Atlantik geradelt. Das sind über 5.000 Kilometer, und das war eine der schönsten Reisen meines Lebens. Ich habe dabei für mich das Reisen mit dem Rad als Lebensform entdeckt.

In der Folge hatte ich in meinen Semesterferien als Reiseleiter gejobbt, und immer gedacht: man müsste diese Radreisen ganz anders organisieren.

Und als ich es dann tat, hatte ich plötzlich meine erste schnell wachsende Firma in der Hand, das Inselhüpfen. Ich durfte mir eingestehen, dass mir das Organisieren von Dingen mehr Spaß macht als das Nachdenken über ihre Struktur.

Und mit jeder Firma kamen mir Ideen für neue Firmen. Das geht bis heute so. So habe ich übrigens Hundertausende zu Radreisen bewegt – nur mich nicht mehr. Das ist falsch gelaufen, und das ändere ich gerade.

Was sind Deine Zukunftspläne wenn es um das Bestreiten Deines Lebensunterhaltes geht? Wie willst Du weiterhin Dein Geld verdienen? Was bringt die Zukunft?

Meinen Lebensunterhalt habe ich mir bereits verdient. Und beim Reisen brauche ich viel weniger Geld als zuhause. Die besten Reisen kosten eh am wenigsten. Ich verstehe übrigens noch immer nicht, warum ich nicht viel mehr reise. Vielleicht fehlt mir dazu noch der Mut.

Was ist Dein wichtigster Rat, für jeden, der sich selbstständig machen möchte und ein Business aufbauen will?

Diese Erfahrungen von mir und anderen in eine komprimierte Form zu bringen, ist übrigens das Projekt, an dem ich gerade am liebsten arbeite.

Wenn ich es auf einen Satz reduzieren soll, dann diesen: Du wirst nicht die gescheiterten Versuche bereuen, sondern nur die unterlassenen.

Was ist der größte Fehler, den Du auf diesem Weg gemacht hast? Wovor kannst Du die Leser warnen?

Ich habe unfassbar viele Fehler gemacht. Der größte wäre, sich keine zu erlauben.

Was verbindet Dich mit dem Bodensee?

Das Licht, der Geruch, die Weite und die Vielfalt der Landschaft.

Was möchtest Du den Lesern sonst noch mit auf den Weg geben? Deine 2 Cent sozusagen.

It’s about people, not places or things.

Welche Frage würdest Du Dir selbst stellen und wie wäre die Antwort dazu?

Was hält dich ab? Nichts. Also los!

Vielen Dank für das spannende Interview, Peter.

Und jetzt nochmal: hier ist der Link auf den Blog Eartchity. Draufklicken!

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Interview im t3n

Für das Technologie-Magazin t3n hat Jan Thomas Otte (bei t3) ein Interview mit mir geführt und darauf diesen Artikel geschrieben.

interview t3n

Mit dem Startup „Inselhüpfen“ verkaufte Peter Eich vor 15 Jahren seine erste Radreise. Zwei Jahre später machte der damalige Reiseveranstalter, mit dem er eng zusammen arbeitete, pleite. Peter stand vor einer folgenschweren Entscheidung: Trübsal blasen oder die direkte Konkurrenz gründen? Rund dreißig Jahre alt, entschied er sich für letzteres und gründete daraufhin „Radweg-Reisen“. Die Zwei-Mann-Firma am Bodensee wuchs schnell, sehr schnell bis zum Marktführer in Deutschland.

Peter ist Seriengründer. Und als solcher gründet er viel, liebt Innovationen und schaut meist über den Tellerrand hinaus. Disruptives Aufbauen nennt er das, seine liebste Disziplin: „Neues schaffen, erkannte Lücken füllen“. Kontinuierliches Management dagegen, mit starren Arbeitszeiten und routinierten Abläufen, langweile ihn. So verkaufte Peter vor ein paar Jahren seine Anteile am „Inselhüpfen“, gab wenig später auch seinen Geschäftsführer-Posten bei Radweg-Reisen ab.

Neue Regeln schaffen Innovation

Der erste Schritt für einen Gründer, der bereits über das nächste Startup nachdenkt: Sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Kürzlich folgte Peters zweiter Schritt: Der „Exit“, wie es in der Startup-Sprache heißt, sei nie sein eigentliches Ziel gewesen. Aber: „Irgendwann muss ich mein Baby fliegen lassen“. Eine bestehende Firma managen, die bereits Marktführer ist, und pro Jahr vielleicht um weitere zehn bis zwanzig Prozent wächst war für Peter auf Dauer „keine fühlbare Herausforderung“.

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Interview im Südkurier

In der Zeitung Südkurier gibt es eine Serie von Interviews mit Leuten aus der Region, und sie nennt sich  “Auf einen Kaffee mit”.

Am 4. 11. 2013 ist dieses Interview im Südkurier mit mir erschienen, der Anlass war mein Verkauf der Firma Radweg-Reisen.

Artikel Südkurier

 

Herr Eich, Sie haben mit Radweg-Reisen gerade eine sehr erfolgreiche Firma verkauft. Wie fühlt sich das an?

Das weiß ich noch nicht so genau. Das Unternehmen war zwölf Jahre lang eines meiner Hauptstandbeine, aber es hat angefangen mich zu langweilen, weil ich viel lieber Dinge aufbaue. Den Geschäftsführerposten hatte ich schon vor drei Jahren abgegeben. Das war der erste Schritt für mich –Abstand zu gewinnen und die Firma eigenständig laufen zu lassen. Jetzt bin ich ganz davon los. Das gibt mir Platz für neue Projekte, neue Begeisterung für andere Sachen, und das ist erst mal richtig gut. Ich war bis vor Kurzem in Namibia und bin, wie so oft, früher von der Reise zurückgekehrt. Ich konnte es nicht aushalten, nicht daheim zu sein und die ganzen Projekte und Ideen, die ich gerade habe, umzusetzen.

Ist das nicht ziemlich anstrengend, nie zur Ruhe zu kommen und immer vorwärts zu drängen?

Es kommt darauf an, auf welchen Bereich des Lebens man es bezieht. Im Berufsleben bin ich ziemlich ungeduldig, weil ich Neues aufbauen möchte. Dasselbe würde ich nicht über mein Privatleben sagen wollen, das wäre tatsächlich sehr anstrengend.

Sie haben von acht Firmen vier verkauft. Das heißt, immer wenn es gerade gut läuft, wird es zu langweilig?

Wenn es von alleine läuft. Ich habe noch nie versucht, in einer meiner Firmen zu arbeiten, sondern immer nur an der Firma. Das heißt, wenn sie gut läuft, ist das Ziel erreicht.

Dann habe ich mir oder der Welt bewiesen, dass dieses Projekt selbstständig existieren kann, und dann braucht es mich nicht mehr. Mein Wunschjob in meinen eigenen Firmen war immer nur, Zukunftsminister zu sein.

Was erwächst daraus?

Neues. Ich denke nicht an heute und morgen, sondern nur an übermorgen. Ich liebe es, durch die Welt zu gehen und vom Konjunktiv in den Indikativ zu kommen, von ‚man müsste doch, man sollte endlich‘ in das wirkliche Umsetzen.

Was ist Ihre nächste Idee?

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Süd-Schweden per Rad

Im Oktober 2013 war ich auf Einladung von Helsingborg-Tourismus in Südschweden, genauer in Skåne, um dort eine Radregion kennen zu lernen, die wunderschön, aber unter Radfahrern noch weitgehend unbekannt ist.

Auf der Rundreise bin ich ab Helsingborg eine knappe Woche lang Richtung Norden und dann im Uhrzeigersinn geradelt. Es war ungefähr diese Strecke.

Maptoolkit v8 & Cartography Demo by Toursprung

Wer es ganz genau wissen will, findet bei Bikemap die Etappen eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs.

Und hier sind nun meine Fotos von der Reise – übrigens alle aufgenommen mit meiner kleinen Canon S100, die so wunderbar in die Hosentasche passt (mehr dazu in diesem Artikel).

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In Helsingborg sind die Fahrradständer nicht nur praktisch, sondern sie transportieren auch großartig eine wichtige Aussage.

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Mit dem Mountainbike in Namibia

Der Adventure Travel World Summit ist das große jährliche Zusammenkommen im Aktivtourismus, und die Konferenz findet stets an einem neuen Ort statt.

Dieses Jahr war Namibia dran, und wie jedes Mal gibt es während der Konferenz nicht nur abstraktes Netzwerken, sondern vor- und nachher auch ganz konkretes Reisen.

Damit man mal sehen kann, wie viel besser man organisiert ist als die Kollegen aus den anderen Ländern ;)

In meinem Fall war dies eine Mountainbike-Tour durch die Wüste von Namibia. Es war eine von den African Bikers (gut) organisierte Tour, und – nomen est omen – wir waren sechs Radreiseveranstalter aus diversen Ländern in der Gruppe.

Auf der Reise hatte ich diesmal zwei Kameras dabei, meine mir sehr lieb gewonnene Canon PowerShot S100 und die noch neue Nikon Coolpix A.

cameras

Mein Fazit in zwei Sätzen:

  • Pro Nikon: hat einen großen DX-Sensor, Objektiv (mit Festbrennweite 28 mm) ist schärfer (hier ein Beispiel) und die Bilder haben weniger Rauschen.
  • Pro Canon: Zoom ab 24mm Weitwinkel (brauche das Zoom fast nie, drum kam ich auch auf die Idee der Nikon als Alternative, aber das bessere Weitwinkel ist mir wichtig), ist deutlich kleiner (Canon passt in die Hosentasche, Nikon habe ich immer am Riemen um Hals und Schulter), hat ein viel kleineres und auf Kleingerätekabel passendes Ladegerät. Und hat GPS.

Darum habe ich auch bei dieser Reise fast immer die Canon verwendet. Für den Blog reicht die Qualität (in RAW fotografiert und mit Lightroom bearbeitet), und die Tatsache, dass ich die Canon stets schnell zu Hand habe, überwiegt alle Vorteile der Nikon.

Wenn ihr wissen wollt, welche Bilder mit welcher Kamera gemacht wurden, dann achtet auf der Format. 3×4 ist Canon und 2×3 (also etwas weniger  hoch) ist Nikon.

Auf der Reise dabei war auch ein britischer Reisefotograf mit einer großen SLR im Rucksack. Als er auf Facebook meine Fotos sah und merkte, wie viele zusätzliche Situationen ich fotografieren konnte, weil es für mich einfach schneller und einfacher ging die Kamera zur Hand zu nehmen, hat er beschlossen sich auch eine S100 zu kaufen. *stolz*

Und hier sind nun meine 50 Fotos von der Reise:

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Nette Kreuzung in Windhoek. Und gleich daneben kreuzt sogar die Robert Mugabe Avenue.

Es gibt nicht viele Straßen, die nach lebenden Menschen benannt sind, und schon gar nicht Straßen in lebenden Demokratien nach lebenden Diktatoren. Doch im Fall von Namibia ist es speziell, denn Onkel Robert hatte, bevor er ein Böser wurde, dem Land tatsächlich viel Gutes getan. Und bis heute traut sich deswegen niemand, ihm diese Straßennamen wieder zu nehmen.

Sei’s drum, die Bike-Touren fanden es auf weitgehend namenlosen Pisten statt.

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Blühender Jacaranda-Baum in Windhoek – überall leuchtet es lila im Oktober.

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Der Beginn unserer Bike-Tour sprach schon eine klare Sprache: trocken und heiß.

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Radweg-Reisen verkauft

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Vor 15 Jahren habe ich das Inselhüpfen gegründet und kam damals erstmals dazu Radreisen zu veranstalten.

Vor 13 Jahren hatte uns der damalige Marktführer durch seine eigene Zahlungsunfähigkeit in Bedrängnis gebracht. Mit kreativer Beharrlichkeit konnten wir zwar als einziger Gläubiger unsere Forderungen zurück bekommen, doch in der Folge wurden wir durch Abbruch der Geschäftsbeziehung “bestraft”.

Das nahm ich als sportliche Herausforderung an, und ich gründete vor 12 Jahren mit Radweg-Reisen eine direkte Konkurrenz.

In den folgenden Jahren wuchsen wir mit atemberaubendem Tempo. Von einer Zwei-Mann-Firma sind wir durch kompromisslose Ausrichtung an den Bedürfnissen unserer Kunden rasch bis an die Spitze gewachsen. Seit einigen Jahren ist nun Radweg-Reisen der klare Marktführer von Radreisen in Deutschland.

Vor vier Jahren habe ich meine Anteile am Inselhüpfen verkauft.

Und vor drei Jahren habe ich meinen Posten als Geschäftsführer von Radweg-Reisen abgegeben, um den Fokus weniger auf innovatives und disruptives Aufbauen und statt dessen mehr auf kontinuierliches Management zu setzen (ich bin gut im Aufbau, jedoch langweilt mich Managment).

Dieser Plan ging auf, und die Firma steht besser da als jemals zuvor.

Nun bin ich einen weiteren Schritt gegangen. Ich habe heute Radweg-Reisen verkauft.

Für mich ist es mein bislang größter Verkauf.

Es ist für mich auch das Ende einer schönen Zeit, in der ich 15 Jahre lang Radreisen organisiert habe.

Begonnen hatte diese Zeit damit, dass ich damals selbst viel mit dem Rad gereist war, und das Hobby wurde zu einem meiner Jobs. In der Folge habe ich viele Hunderttausend Kunden zu einer Radreise gebracht.

Ab heute werde ich mich wieder mehr um das Gründen kümmern. Und zwar sowohl mein eigenes wie auch das von anderen, die ich als erfahrener Seriengründer und auch als Investor dabei unterstützen kann.

Und außerdem werde ich endlich wieder selbst mehr mit meinem Rad reisen.

I am on the road again!

PS: Zum Verkauf der Firma gibt es Interviews im t3n und im Südkurier.

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Der schönste Flug meines Lebens

Zwölf Freunde, sechs Flugzeuge und fünf Tage Frankreich.

Die perfekten Zutaten für den schönsten Flug meines Lebens!

Unsere Reise:

  • Abflug in Konstanz (EDTZ) in Richtung Westen
  • Nach zwei Stunden die Tanks füllen und die Blase leeren in Villefrance Tarare (LFHV
  • Nach weiteren zwei Stunden Landung in Bergerac (LFBE
  • Vier Nächte in der Chartreuse de Bignac bei Bergerac. Wetterbedingtes Grounding, Ausflüge mit Mietwagen nach Bordeaux, zu Airbus nach Toulouse (leider, leider durfte ich in den Fertigungshallen von A380 und A350 keine Fotos machen).
  • Einen Flug nach Arcrachon (LFCH) mit einem Spazierang auf die Dune de Pilat
  • Rückflug von Bergerac über Moulins (LFHY) nach Konstanz

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Wie so oft beginnt ein echter Ausflug mit einer Portion Geduld auf das passende Wetter. Die ersten Stunden hängen wir am GAFOR und warten darauf, dass aus einem X ein O wird.

Der Klassiker “Ich glaube da hinten wird es heller” fällt alle drei Minuten. Und irgendwann stimmt es. Der Flugplan wird aufgegeben und unsere sechs Skylarks angelassen.

Und jetzt nichts wie weg!

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Über dem Schwarzwald sieht es gut aus, keine geschlossene Wolken, sondern nur fotogener Silberstaub am Himmel.

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Zwanzig Minuten später sind wir schon über dem Rhein. Hier blitzt vor der Flügelkante der Oberrhein mit Blick in Richtung Basel.

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Nach zwei weiteren Stunden sind wir über dem Zentralmassiv. Die Wolken werden immer dichter. Und immer fotogener.

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Entspannt riecht man besser

Weil ich viel reise, habe ich natürlich auch ein paar Lieblingsklamotten. Ohne sie bin ich nie unterwegs.

Ganz oben ist das mein Lieblingshoody mit der extra großen Kapuze, unter der ich mich so gut vor Zugluft verstecken kann. Und ganz unten sind das meine Lieblingsschuhe, die guten alten Nike Free Run 2 in Schwarz.

Sie habe ich schon zig Mal durch Waschmaschine und Trockner gejagt, und stets kommen wie wieder wie neu heraus. Oder sagen wir: immer wieder sauber, und jedes Mal ein wenig heller.

nike

Aber egal, denn das Waschen ist wirklich wichtig, neigen diese Schuhe doch trotz ihrer Luftigkeit dazu ihrem Träger langfristig einen ihm nicht geneigten Geruch anzudichten – und Woche um Woche zu verstärken.

So ähnlich war es auch, als ich kürzlich von einer Schweden-Reise zurück kam, während derer ich eine Woche lang bei Sonne und Regen in diesen Schuhen auf dem Rad unterwegs war.

Eigentlich war das eine kurze und zivilisierte Tour, doch als ich spät abends im sauberen Schweizer Zug saß und meine Füße ohne Schuhe auf den sauberen Sitz gegenüber hob um gemütlich einzuschlafen, vernahm ich nach ein paar Minuten einen leichten Geruch von vorne.

Ach, das merkt ja keiner – dachte ich. Zumal ja niemand direkt neben mir saß.

Doch in den folgenden Minuten wurde der Geruch mit jedem Atemzug strenger.

Mensch, dass ich so stinken kann – wunderte ich mich. Gestern war da doch noch nichts. Von Null auf über Hundert an nur einem Tag. Seltsam…

Doch als mein verschämter Blick auf die andere Seite des Zuges glitt und ich in den Gesichtern der dort Sitzenden lesen konnte, dass nun auch sie etwas rochen, da wurde es mir langsam peinlich.

Zielstrebig und dennoch ohne sichtbares Schuldeingeständnis in der Bewegung zog ich so beiläufig wie möglich meine Schuhe wieder an und erwartete, dass die überraschend schlechte Luft dann doch zügig wieder besser wurde.

Es verging Minute um Minute, doch der Geruch blieb einfach stehen.

Und die Liebe zu meinen Lieblingsschuhen bekam einen immer länger werdenden Riss.

Ich wünschte mir ein wenig mehr Zug im Zug, damit meine Spuren verwischt würden. Schließlich haben Menschen zwei Nasenlöcher, damit sie räumlich riechen und jedem Geruch eine Richtung geben können.

Also nicht nur eine, sondern genau meine.

Durch ganz unauffälliges Bewegen der Arme wollte ich die Luft in Bewegung bringen. Erfolglos.

Dann hole ich mir eines dieser Schweizer Schmierblätter, die immer im Zug rumliegen. Aufgeklappt bringen es diese Zeitungen auf fast einen halben Quadratmeter Wedelfläche.

Doch egal wie sehr ich mich anstrengte um ausladend umzublättern, der Geruch blieb um mich und wurde eher mehr als weniger.

Ich begriff das nicht. So hatte ich mich noch nie gerochen. Und so begann ich von Atemzug zu Atemzug meine Plastikschuhe immer mehr zu verfluchen.

Auch die Leute gegenüber wurden sichtlich unruhig, und mein Pein stieg mit dem Geruch um die Wette.

Erst als der Geruch ein echter beißender Gestank war und ich selbst nur noch flach atmete, begann ich aus meiner Verkrampfung heraus meine Aufmerksamkeit ein wenig zu weiten.

Das ist eh immer gut, denn nur ohne innere Verkrampfung kann Neues entstehen. Auch bei Erkenntnis.

Und so hörte ich plötzlich, wie eine Horde betrunkener Soldaten etliche Sitzgruppen weiter vorne auf einen ihrer Kollegen einredeten. Er möge doch endlich seine “verschissenen Stiefel” wieder anziehen, weil sie sonst die Notbremse ziehen und ihn mitsamt einen Schuhen aus dem Zug werfen würden.

Da entspannten meine Schultern, ich zog meine Nike wieder aus, und mit einem schuldbewussten Blick schaute ich meinen Lieblingsschuhen in die Augen und bat sie um Verzeihung.

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Die Grenzen der Zuversicht

Die Fahrt mit einem Mietwagen macht mir dann am meisten Spaß, wenn ich dabei ein tolles Auto testen kann, das ich vorher noch nicht kannte.

Darum wollte ich für die Fahrt nach Salzburg einen Audi A6 TDI 3.0 Biturbo. Das ist dieser Diesel mit dem ganz vielen Wumm drin.

biturbo

Wollte ihn mal probefahren und herausfinden, wie gut er mir gefällt. Denn ich hatte kürzlich seinen kleinen Bruder und war schon von ihm beeindruckt.

Ich bat also einen Mitarbeiter genau dieses Auto für mich als Mietwagen zu organisieren.

Als ich am späten Nachmittag das Auto bei Europcar entgegen nehmen wollte, sah ich die Rakete schon auf dem Hof stehen und freute mich auf die gleich beginnende Fahrt. Doch als ich in die Papiere schaute, fiel mir auf, dass es “nur” der kleine Bruder von der Wumm-Maschine war. Also genau das Auto, dass ich schon kannte.

Ich klärte den Fehler auf, aber es gab trotzdem keinen großen Bruder. Auf mein Beharren, dass ich genau jenes Auto haben wolle, das wir bestellt hätten, meinte Mr. Europcar, es sei nur zugesichert worden, dass wir “voraussichtlich” den großen Bruder bekommen würden, nicht aber “sicher”.

Die alte Falle beim Delegieren also. Ich bestelle 100%, ein Mitarbeiter organisiert 80% und hofft, dass es gutgeht. Klappt oft, aber eben nicht immer.

Und schon gar nicht dieses Mal.

Das sind diese Momente, in denen ich verdammt ehrgeizig werden kann. Aufgeben ist keine Option!

Ich erklärte Mr. Europcar, dass ich kein anderes Auto wolle, doch er zuckte mit den Schultern und meinte: Biturbo ist keine Option!

Es lief auf Er-oder-ich hinaus.

Also ich!

Schritt 1: Der 80%-Mitarbeiter solle sofort alle anderen Vermieter abtelefonieren, ob sie den Wumm-Audi hätten. Resultat: nicht mal ein Opel Corsa war in der ganzen Stadt für diesen Tag noch zu bekommen, und ich könne froh über den kleinen Bruder sein.

Schritt 2: Ich hatte zwar keine Idee, wie ich heute noch an meinen Wumm-Audi kommen könne, aber ich würde es dennoch versuchen. Irgendwo da draußen war eine Lösung, und sie möge bitte zu mir kommen. Ich musste ihr also nur etwas Zeit geben und mit meiner Zuversicht Platz für sie schaffen. Und dabei ganz entspannt bleiben.

Konkret bedeutete es, ich schaute Mr. Europcar tief und freundlich in seine Augen und blieb so lange beharrlich stehen, bis ihm etwas einfallen würde.

Weil… ich… habe… Zeit…!

Und stellte mir dabei vor, wie die Lösung schon um die Ecke war und immer näher auf uns zukam.

Sein Nein überhörte ich konsequent, mein zuversichtlich fordernder Blick wich nicht von ihm, und die Leute hinter mir existierten nicht mehr in meiner Welt.

Und plötzlich fragte er mich: würden Sie auch einen kleinen Umweg fahren? Dann könne er bei einer anderen Vermietung anrufen und fragen, ob die vielleicht… Ja, machen Sie das!… Und, nein, leider haben die auch keinen Wumm-Audi mehr heute.

Schade!

Aber immerhin. Durch mein vermeintlich grundloses Warten hatte sich also eine Chance ergeben, die zwar nicht ins Ziel führte – aber hey, es war schon eine Chance mehr als gedacht.

Würde ich also einfach weiter beharrlich auf das Eintreffen der Lösung warten, dann würde sie schon kommen. Vielleicht ja schon bei der nächsten Idee.

Und diesmal kam sie von mir: telefonieren Sie doch bitte alle Filialen ab, die auf meinem Weg liegen und vor Ladenschluss erreichbar sind! Vielleicht gibt es dort einen Wumm-Audi.

Coole Idee von mir, war richtig stolz, aber ein paar Minuten später war klar: kein Wumm-Audi entlang der Strecke.

Verdammt! Aufgeben war doch keine Option!

Fast wurde ich ungeduldig und verlor meine Zuversicht. Und der Blick von Mr. Europcar zielte schon konsequent an meinem Gesicht vorbei. Er wollte mich endlich loswerden.

Aber hey, jetzt bloß kein schlechtes Gewissen zulassen! Wir haben ständig etliche seiner Autos auf dem Hof stehen, und genau jetzt war der Moment, an dem er sich diesen Umsatz wirklich verdienen konnte.

Dachte ich. Im Gegensatz zu ihm…

Dennoch, nach ein paar tiefen Atemzügen bei entspannter Körperhaltung kam mir eine neue Idee: Haben Sie nur nach den Autos gefragt, die fix und fertig auf dem Hof stehen, oder auch nach jenen, die in diesem Moment erst zurückgegeben werden? Ich meine, mir ist es egal, ob die Karre geputzt ist. Ich nehme sie auch mit noch warmem Sitz!

Sein Gesicht wurde unentspannt, und ich sah, dass er gleich widerwillig die Telefonrunde erneut telefonieren würde.

Und schwupp, wir fanden eine Filiale, an der just in diesem Moment ein Wumm-Audi zurückgegeben wurde.

Heureka!

Ich strahlte. Meine Brust schwoll an. Ich war stolz auf meine Beharrlichkeit. Und ich fühlte mich unbesiegbar.

Also, Sie fahren diesen kleinen Umweg, geben dort den kleinen Bruder bis 20 Uhr ab und steigen in den großen Bruder ein, und jetzt gute Fahrt!

Ha, genau so sollte es sein. Genau das ist der Unterschied zwischen 80 und 100%. Ich spürte Genugtuung über alles, was ich je erreicht hatte und wusste: das ist verdient!

Und weil noch etwas Zeit war, fuhr ich heim, duschte, und fuhr dann zu dieser Filiale. Kam dort kurz vor Ladenschluss an, sah den großen Bruder bereits hinterm Zaun auf mich warten und wunderte mich insgeheim ein klein wenig darüber, warum das Tor eigentlich verschlossen war.

Als ich ausstieg und ins Büro wollte, stand dort ein Spaziergänger mit einem kleinen Hund. Die haben schon seit einer dreiviertel Stunde zu, sagte er.

Mir fiel mein Magen in die Knie. Was? Geschlossen? Im Sinne von Aufgeben?

Das Universum stellte mich also auf eine Probe.

Reflex 1: Blaue Kulleraugen machen und dem Spaziergänger ein Gesicht voller ehrlicher Enttäuschung und Verzweiflung zeigen.

Reflex 2: Nachdenken und heimlich entspannen!

Dann kam mir die Idee. Warum weiß ein Spaziergänge so genau, seit wie viel Minuten die Vermietung geschlossen hat? Und überhaupt, wer geht denn hier mit seinem Hund spazieren?

Ich setzte also alles auf eine Karte und sagte: Sie schickt der Himmel, ich bin ja so froh, Sie getroffen zu haben. Darum fahre ich jetzt zur Tankstelle, kaufe so viel von Ihrer Lieblingsschokolade, wie Sie wollen, und in der Zwischenzeit bereiten Sie die Papiere vor. Bis gleich!

Er zuckte mit den Schultern und zog den Schlüssel aus der Tasche.

Ha! Da war es wieder, das Gefühl von Unbesiegbarkeit. Mit doppelter Größe zurück.

Noch nie hatte ich so viel Schokolade in einer Tankstelle gekauft, und ein paar Minuten später wechselte ich vom kleinen in den großen Bruder und mein Ritt auf der Rakete begann.

Zuerst auf einem kleinen Nebenweg, dann auf einer größeren Straße und endlich konnte ich richtig Gas geben und die 650 Newtonmeter Drehmoment in der Rückenlehne spüren.

Oder warte…?

War das wirklich so viel anders als beim kleinen Bruder gerade eben? Wenn ich ehrlich war, konnte ich spontan gar keinen Unterschied feststellen. Und mit jeder Beschleunigung wuchs mein Zweifel.

Ich fuhr also rechts ran und kramte die Papiere raus.

Und siehe da: der neue Audi war unter der Haube genau der gleiche kleine Bruder wie zuvor.

Ich musste mich tatsächlich kurz sammeln. Meine Gefühle neu sortieren. Innerlich aufgeben. Meine Besiegbarkeit akzeptieren. Und vor allem der neuen Situation ganz schnell etwas Gutes abgewinnen. Reframing heißt das im Fachsprech.

Also: ich wollte eh diesen Podcast hören. Und darum entspannt mit Tempomat fahren. Und ich hatte ein großartiges Rhetorik-Training erhalten. Kostenfrei. Und eines in Reframing dazu.

Und vor allem hatte ich in dieser Minute den Entschluss gefasst: morgen kaufe ich mir diesen verdammten Wumm-Audi einfach ohne Probefahrt.

Und ich sage euch: er fährt sich fantastisch!

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Marketing-Hebel im Fahrrad-Tourismus

(See this talk in English)

Dies ist der Vortrag, den ich heute im Pecha-Kucha-Stil (also 20 Folien zu je genau 20 Sekunden) beim Traveltalk auf der Eurobike gehalten habe:

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Oben steht mein Name, und unten die von mir gegründeten Firmen. Etliche davon haben direkt oder indirekt mit Fahrrad-Tourismus zu tun.

Radweg-Reisen zum Beispiel ist Deutschlands größter Radreise-Veranstalter, und Bikemap mit bis zu 15 Mio Seitenaufrufen pro Monat die vermutlich größte Radrouten-Sammlung im Web.

Kurzum: mit Fahrrad-Tourismus habe ich wirklich was am Hut.

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Beginnen wir mit einer Quizzfrage: Was sind die populärsten Radwege der Welt? Also die mit den meisten Radtouristen drauf?

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Gespräche über den Wolken

Früher war ich so schüchtern, dass ich sogar einen transatlantischen Flug lang in mein Tagebuch schreiben konnte, warum ich jetzt lieber mit meinem Sitznachbarn sprechen würde als dieses Selbstgespräch darüber ins Tagebuch zu kritzeln.

Doch mittlerweile ist alles im Lot.

Und wenn ich an mir dennoch mal wieder eine seltene Schüchternheit entdecke, dann breche ich reflexartig aus und texte mein Gegenüber zu. Alleine um mir zu beweisen, dass ich es kann. Aber dieses Bedürfnis ist selten geworden, seit ich weiß, dass es geht.

Nur heute, bei einem einstündigen Flug, da wäre es fast wieder soweit gekommen.

Ich stieg ein und nahm am Fenster Platz. Neben mir saß eine junge Frau. Wie bei fast jedem Flug steckte ich mir gleich meine Stöpsel ins Ohr, entschuldigte mich bei meiner Nachbarin dafür mit den Worten, dass sie das bitte nicht persönlich nehmen möge und schlummerte erstmal weg.

Fast jeden Flug beginne ich mit einem Nickerchen.

Als ich aufwache, liest die Frau neben mir in einem Buch. Ich schaue zum Fester hinaus und versuche zu erkennen, wo wir sind. Peters heiteres Städte-, Autobahnen- und Flugplätze-Raten. Mein chronisches Pilotenhobby.

FEnster

Doch nach einer Weile beenden aufziehende Wolken das Spiel, und mein mitgebrachtes Buch langweilt mich. Außerdem entdecke ich den Spielverderber-Monitor über den Sitzen, auf dem unsere Position verraten wird.

Dann denke ich an die Frau neben mir. Sie liest ebenfalls. Ich aber will lieber reden als lesen, und ich erwische mich bei meinem beginnenden Selbstgespräch, in dem ich mir erklären will, dass sie nun wohl lieber ungestört lesen wolle und ich sie höchstens am Ende eines Kapitels stören…

HALT!

Als mir bewusst wird, was für einen schüchternen Blödsinn ich da denke, sammle ich mich eine Minute lang.

Zuerst will ich mir bewusst machen, was für ein Glück es für jeden Sitznachbarn ist, von mir angesprochen und in ein Gespräch verwickelnd zu werden. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall irgend ein Dünger fürs Selbstbewusstsein, um danach einfach drauf los zu reden.

Und dann fällt mir eine Geschichte ein, die mir mein Coaching-Trainer Marc einmal erzählt hat:

Er saß damals in einem Robinson-Club mit seiner Frau an einem großen Tisch, wie es sie immer bei Robinson gibt – damit niemand alleine sitzt und sich die Gäste schneller kennen lernen. Da kam eine Studentin zum Tisch der beiden und fragte, ob sie sich setzen dürfe. Er sagte “ja, gerne”, und seine Frau dachte im selben Moment “So wie mein Mann gerade guckt, wird sie in 5 Minuten das Coaching ihres Lebens bekommen.”

Als Marc mir diese Geschichte erzählte, die natürlich mit einem für die Studentin aufrüttelnden und motivierenden Choaching-Gespräch endete, sagte er augenzwinkernd: “Peter, wenn die sich ausgerechnet zu mir setzen will, dann bettelt sie doch geradezu darum gecoacht zu werden. Und geliefert wird, wie bestellt wird.”

Während ich an diese Geschichte denke, beschließe ich, dass die junge Frau nur deswegen neben mir sitzt, weil sie dieses Gespräch mit mir sucht – auch wenn sie es in genau diesem Moment augenscheinlich selbst noch nicht weiß.

Die Methodik und den Wahrheitsgehalt dieser Kausalität erlaube ich mir also zu ignorieren und vorübergehend gegen ein vielleicht nicht so konsistentes Weltbild auszutauschen, das jedoch in genau dieser Situation viel nützlicher ist.

Ich finde nämlich, du darfst durchaus flexibel mit deinen Werten umgehen, wenn es dir hilft deine Ziele zu erreichen.

Und mir hilft es in diesem Moment.

Ich konzentriere mich also kurz auf mein ehrliches Interesse daran, was die junge Frau in ihrem Leben wohl gerade tue und wohin sie wolle, und von diesem Interesse lasse ich mich in das Gespräch leiten.

“Und, was werden Sie in Hamburg tun?” frage ich sie.

Sie antwortet ausführlicher als nötig, stellt Gegenfragen, und nach wenigen Minuten sind wir in einem Gespräch über Werte und Ziele im Leben und vor allem darüber, wie es ist, wenn diese sich unbemerkt gegenseitig blockieren.

Anfangs erzähle ich Geschichten als Metaphern, bei denen es darum geht, wie gut es für die Protagonisten war, sich in einer Situation für eine Richtung entschieden zu haben.

Dabei wird sie immer unruhiger, und ich merke, wie sehr sie die Geschichten auf sich bezieht.

Nach einer Weile helfe ich ihr dabei, das auszusprechen, was sie beschäftigt.

Sie erzählt mir von einem Dilemma. Nämlich einerseits ihrem Wunsch einer guten Freundin zur Seite zu stehen, die gerade ihre schwer kranke Mutter auf dem Weg in den nahen Tod begleitet. Und andererseits ihrem Selbstverständnis nun zuhause auf eine wichtige Prüfung zu lernen, weswegen sie für alles andere gerade eigentlich keine Zeit habe.

Wir stellen uns gemeinsam Szenarien vor, die dabei entstehen könnten, reisen in Gedanken ein paar Jahre in die Zukunft und schauen von dort auf diese Alternativen zurück.

Als wir gerade landen, sprechen wir noch darüber, welches Bild ihre noch ungeborenen Kinder von ihr als Mutter einmal haben sollen, und ich merke, dass dies ein guter Schlusspunkt für das Thema ist.

Beim Abschied am Gepäckband fällt uns noch auf, dass wir einige Tage später sogar den gleichen Rückflug haben werden. Als wir schließlich gemeinsam das Terminal verlassen, umarmen wir uns herzlich und bedanken uns beieinander für das gute Gespräch.

Die nächsten drei Tage verbringe ich in der aufregenden Gedankenwelt einer Fachkonferenz, und als diese zuende geht, fällt mir wieder ein, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung dieses Gespräches beim Rückflug freue. Und außerdem sehr gespannt darauf bin zu erfahren, ob sie tatsächlich eine Entscheidung getroffen haben wird.

Jedoch beim Check-In sehe ich sie nicht.

Und als ich im Flugzeug Platz nehme, sitzen fremde Menschen neben mir, die ich nicht kenne, und die ich plötzlich nicht mag – alleine deswegen, weil ich jemand anderes erwartet habe.

Doch auch bis zum Start betritt sie das Flugzeug nicht.

Ich bin enttäuscht und vertiefe mich – nach einem kurzen Nickerchen – in einen Podcast und versuche mich davon zu überzeugen, dass es keinen Grund für eine Enttäuschung gibt, sondern nur eine gute Gelegenheit, um über meine offenbar falschen Erwartungen nachzudenken.

Als ich nach meiner Landung an meinem Heimatflughafen am Gepäckband stehe, summt mein Telefon.

In der SMS steht:

„Hoffe du hattest einen guten Flug. Bin direkt nach dem Fest weitergereist zu meiner Freundin und ihrer Mutter und bleibe nun erstmal hier. Danke, dass wir uns getroffen haben.“

Und ich?

Ich danke Marc für seine Geschichte. Und den kleinen Ruck, den sie mir immer wieder gibt, wenn ich an sie denke.

Und ich liebe Gespräche über den Wolken!

1

Die Achterbahn-Fahrt eines Helden

In meiner Firma herrscht ein klares Saisongeschäft. Oder besser gesagt ein Saisonengeschäft, denn irgend eine Abteilung hat immer Hochsaison.

Außer an zwei Wochen im Herbst, und genau dann unternehmen wir jedes Jahr mit dem ganzen Team einen mehrtägigen Firmenausflug.

Da wir alle Touristiker sind, haben wir an das Reisen natürlich entweder besonders hohe Ansprüche – oder keine. Und entsprechend weit schwingt das Pendel unserer Firmenausflüge.

Vor einigen Jahren hatten wir einmal die spontane Idee, die komplette Organisation samt Entscheidungsfindung des damals zweitägigen Betriebsausflugs an die neue Praktikantin zu übertragen.

Gesagt, getan.

Und vor allem: mit gefangen, mit gehangen.

Denn sie hat uns kurzerhand dazu überredet unsere gemeinsame Zeit im Europapark zu verbringen, also diesem riesigen Disney für Abendländer.

Und die Reise wurde denkwürdig. Vor allem für mich.

Denn ich bin ein Schisser. Und ich habe nicht nur Angst vorm Runterfallen, sondern als Hobby-Pilot kultiviere ich dieses Gefühl auch noch wohlbegründet mit der daraus erwachsenden maximierten Sicherheit in der Luft. Ein vernünftiger Pilot tut natürlich alles dafür oben zu bleiben.

Begonnen hatte unsere Vergnügungsreise ganz harmlos mit dem einfachsten aller Fahrgeschäfte. Also einem Kinderkarussell.

Und weil mir schon dort überraschend klar wurde, dass ich noch lange nicht das Ende der nach unten offenen Schisserskala markierte, begann an dieser Stelle eine andere Gewohnheit von mir langsam die Oberhand über meinen Tagesverlauf zu gewinnen.

Ich hatte nämlich bereits am Kinderkarussell die erste Grafikerin hinter mir gelassen, und nun trennten mich nur noch n-2 Mitarbeiter davon der mutigste Achterbahnfahrer der ganzen Firma zu sein.

Ein Ziel!

Und so begann unsere wundersame Reise durch die Fahrgeschäfte mit vielen Aufs und genau so vielen Abs.

Wir rauschten in Indiana-Jones-Manier auf Kohle-Wagen durch dunkle Bergwerke. Wir ließen uns von spinnenartigen Kreiseln auf und ab schwingen. Und wir schossen in stockdunklen Riesenkugeln kreuz und quer entlang unvorhersehbarer Kurven.

Das Ding begann also richtig Spaß zu machen.

Die natürliche Reihenfolge der verschiedenen Achterbahnen wurde klar durch deren Höhe markiert, und wir hatten wegen des kalten Herbsttages und des leeren Parks das Glück viel mehr Zeit in den Bahnen als davor verbringen zu können.

Irgendwann wurde es Mittag und damit Zeit für eine Pause.

Wir spazierten auf der Suche nach einem Essen durch den Park und entdeckten das, was normalerweise den Gipfel aller Achterbahnen markiert.

Wenn man davor steht, sieht man nur eine simple Doppelschiene, die steil bergauf führt. Man folgt ihr mit den Augen nach oben bis kurz über dem Himmel. Dann verliert man sie aus dem Blick wegen dieser Wolken in der oberen Stratosphäre.

Und das Prinzip der Bahn ist simpel. Nach dem infiniten Anstieg soll zuerst die potenzielle Energie in ihre kinetische Schwester gewandelt werden. Was ungefähr der Geschwindigkeit des freien Falls in einem Stahlzug aus 10 Kilometer Höhe entspricht.

Nach dem Gipfel dort ganzweitoben geht es also unvermittelt in den rasenden Fall bis zurück auf den Boden.

Und erst danach, nahe der Schallgeschwindigkeit, beginnt dann diese ganze Schleuderei.

Ich konnte zwar die oberste Stelle der Bahn von unten nicht erkennen – wegen der Wolken in der Stratosphäre – doch ich sah sofort eine geniale Monetarisierung dieses unfassbar angsteinflößenden Fahrgeschäfts: Ganz oben am Gipfelpunkt steht bestimmt ein Schild mit der Aufschrift:

„Sonderangebot! Hier aussteigen und auf der Treppe wieder runterlaufen: 1.000 Euro“

Jeder zweite bezahlt das klaglos.

Ich auch.

Mir wurde also mehr als flau im Magen, als ich dieses Monsterteil und durch es hindurch meine eigene Sterblichkeit erblickte.

Kurz gesagt gewann der Schisser in mir ruckzuck wieder die Oberhand und schob den Gewinnertyp in mir ganz weit in Richtung Enddarm.

Mir war klar, dass mir meine zarten akademischen Finger keinen mentalen Halt geben würden im Kampf gegen meine abgebrühten Kollegen, die schon in ihrer Kindheit nicht Mathematiker werden wollten wie ich, sondern Feuerwehrmann oder Polizist. Ich hatte keine Chance – mein Kampf schien verloren.

Bis… ja bis wir dieses kleine Schild entdeckten am Eingang zur Monsterachterbahn, auf dem stand: „Wegen Wartungsarbeiten heute leider außer Betrieb“.

Der ehrenhafte Ausgang des kompetetiven Tages rückte für mich also wieder greifbar nahe, und wir verschlangen vor der geschlossenen Höllenmaschine erstmal je einen Haufen Spaghetti Bolognese.

Mit prallem Magen ging es dann weiter mit der Reise auf den immer wilder werdenden Achterbahnen – und durch den Wegfall des Monsterteils bliebt nur noch die zweitschlimmste Variante als Hürde übrig.

Meine Führungsposition auf der Mut-Skala hatte ich jedoch noch nicht wirklich markieren können. Denn gemeinsam mit dem mutigsten Rest meiner Kollegen (also allen außer jener Grafikerin) stürzten wir uns als fast geschlossenes Team in die Schluchten der nächsten Achterbahn.

Da dieser Bahn an Heldentum nichts weiteres mehr folgen würde, dachte ich mir eine besondere Form aus, wie ich meinen Thron markieren konnte: ich nahm mein damals noch seltenes Smartphone aus der Tasche (sowas hatten damals nur die coolsten Hunde) und begann mich bei der Abfahrt selbst zu filmen.

Dazu muss man wissen, dass diese Urahnen des iPhone noch ungleich weniger leicht zu bedienen und kontrollieren waren. Insbesondere konnte man nicht so einfach erkennen, ob der Knochen einen wirklich filmen würde oder nicht. Der Druck auf den richtigen Knopf war das einzige Indiz.

Statt mich also – wie alle anderen in der Bahn – an den seitlichen Griffen festzuhalten, hielt ich meine Kamera mit ausgestreckten Armen vor mir hoch. Bei der Losfahrt drückte ich diesen „Jetzt filmen“-Knopf einmal, und dann ging es steil bergab.

Auch sprichwörtlich, denn ohne seitlichen Halt war auch diese zweitschlimmste Bahn schon weit außerhalb meiner eigentlichen Komfortzone. Es schlug mich als immer unverhoffter und härter von links nach rechts, und von rechts nach links, während ich munter in die Linse lächelte und so zu schauen versuchte, als wäre ich ein Held. Meine ganze verkrampfte Aufmerksamkeit galt meinem unverkrampften Gesichtsausdruck. Und der Herausforderung die Kamera jetzt nicht fallen zu lassen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir unten an und zum Stehen. Ich drückte den Auslöser ein zweites Mal und drehte die Kamera sofort um und schaute zur Kontrolle der Aufzeichnung ins Display. Doch da sah ich ein Live-Bild, und trotz aller flauen Gefühle im frisch mit Spaghetti gefüllten Magen war mir sofort klar: verdammt, ich hatte erst beim Ende der Fahrt zu filmen begonnen.

Kurzum: ich blieb sitzen und fuhr sofort ein zweites Mal mit. So kurz vor dem Ziel kann man ja nicht aufgeben. Rumore es im Magen, was es wolle.

Doch hatte ich vergessen, dass jede Gondel beim Hinauffahren ihre Richtung änderte – ich also bei meiner zweiten Fahrt nicht nur wieder freihändig, sondern diesmal auch rücklings durch die Bahn geschleudert werden würde.

Sei‘s drum, dachte ich, in wenigen Minuten habe ich das hinter und meinen ewigen Ruhm vor mir.

Wieder ruckte und zuckte ich also die Bahn hinunter, hielt statt mich die Kamera fest und war mir dieses Mal ganz sicher, davor auch den richtigen Knopf gedrückt zu haben. Nur die Spaghetti waren bereits auf, sagen wir, halben Weg zurück dorthin, wo ich sie reingetan hatte. Aber egal, Mund zu und durch!

Als der Held dieser Geschichte schließlich zurück bei den Sterblichen im Erdgeschoss gelandet war, galt es keine Zeit zu verlieren!

Schnell noch den Aus-Knopf der Kamera gedrückt und dann aus der Gondel gehechtet und im Sprint in Richtung der grünen Wiese vor der Achterbahn.

Diese fünf Sekunden bis zu meiner Ankunft in der Natur waren verdammt lang. Kaum war die Wiese in Spuckweite, forderten die Spaghetti ihren Tribut meiner turbulenten Reise: ich ließ sie im hohen Bogen wieder raus und verbrachte die folgenden Minuten gekrümmt auf meinen Knien gleich neben der Kotze auf der Wiese.

Die Kamera hatte ich dabei fallen gelassen, zum Glück mit der Linse nach unten in der Wiese.

Und weil ich Depp auch beim zweiten Mal das Filmen erst beim Ende meiner Fahrt aktiviert hatte, bekamen mein Team und ich dieses wundersame Tonspur als Souvenir:  Der Chef, wie er würgend zur Wiese sprintet, dort lautstark kotzt und danach noch voller Selbstmitleid eine Minute lang ächzend jammert.

Meine Position als Held der Firma hatte ich fraglos erreicht – wenn auch in einer gänzlich anderen Disziplin als erhofft.

Und dieser neue Klingelton war der Hammer!

3

Ode an meinen Audi

Ich habe einen neuen Audi. Einen A6 Avant 3,0 TDI Biturbo mit allem Drumunddran. Und weil dieses Drumunddran so viel mehr ist, als ich für möglich gehalten hatte, muss ich an dieser Stelle einfach mal Danke sagen für so viel tolle Technik.

A6 Avant-1

Here we go!

Vorsprung durch Poesie

Mein Audi kann Rilke.

Im bordeigenen Handbuch steht nämlich genau beschrieben, wie mein Audi Wassertränen für mich beseitigt.

Wassertränen!

Was für ein schönes Wort. Mein Audi steht mir also nicht nur bei, wenn es regnet, sondern auch wenn der Himmel richtig weint. Durch ein sanftes Nachwischen.

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Selbst “Nachwischen” klingt so zart wie die Ledersitze weich sind.

Mehr als ein Auto

Mein Audi kann schwimmen.

Von den gefühlt 700 Schaltern im Cockpit stehen einige auf der Position “Auto”. Im Stand und einmal sogar mit laufendem Motor habe ich ausprobiert, was geschieht, wenn ich einen davon umschalte. Also Auto ausschalte. Der Motor jedenfalls lief weiter, und auch sonst habe ich nichts bemerkt.

Bei voller Fahrt hingegen traue ich mich nicht an diese Schalter.

Denn die Kiste fährt ja schneller als mein Flugzeug fliegt. Echt jetzt. Es steht 266 gegen 250.

Ich meine, würdest du etwa im Flugzeug bei 10.000 Fuß über Grund einen Schalter bedienen und von “Flugzeug” auf… sagen wir… “Auto” umschalten und dir dabei im schlimmsten Fall die eigenen Flügel wegknipsen? Also ich gewiss nicht.

Erst das bordeigene Handbuch gibt indirekt Aufschluss darüber, ob dem Audi plötzlich Flügel wachsen, wenn man den Schalter dreht, oder etwa ein Periskop oben rauskommt.

Denn wo andere Fahrzeuge mitschwimmen, da kann es sich nur um ein Schiff handeln – auch wenn das am Schalter selbst diskret verschwiegen wird.

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Sobald also das nächste Mal die Wischer mit den Wassertränen zu viel Mühe haben, werde ich es wagen: ich gebe mit dem bordeigenen “Launch Control” für extraschnelles Beschleunigen Vollgas in der Pfütze, und sobald das Aquaplaning beginnt, drehe ich von Auto auf Schiff.

Ich werde euch dann von der Überfahrt berichten. Ahoi!

Voller Facetten. Augen.

Mein Audi hat mehr Augen als eine Spinne.

Wenn ich rückwärts fahre, dann schaut mein Audi über meine Schultern nach hinten. Und wandelt den Lenkeinschlag in gemalte Schienen um, auf denen ich sicher einparken kann.

Wenn ich vorwärts lenke, dann schaut er für mich mit seinen Stilaugen ganz vorne schonmal um die Ecke, ob auch wirklich alles frei ist.

Wenn ich geradeaus fahre, dann schaut er mit seinen Infrarot-Augen für mich durch Nacht und Nebel, sucht nach Menschen und Schweinen und warnt und bremst gegebenenfalls sogar für beide. Sollte jemand meinen Weg kreuzen, dann blinken die scharfen LED-Leuchten von alleine drei Mal auf und scheuchen, bevor die Bremserei beginnt.

(Frage an Juristen: bekommt mein Audi dann wegen Nötigung Probleme?)

Will ich mit Fernlicht fahren und denke mir “Ach, der ist ja eh gleich vorbei”, dann blendet mein Audi für mich ab und wünscht dem Gegenverkehr einen schönen Tag und eine sichere Fahrt.

Außerdem liest er mir alle Verkehrsschilder vor und merkt sie sich. Durch geschickte Darstellung nebeneinander von Soll- und Ist-Geschwindigkeit diszipliniert er mich als zahlenästhetischen Mathematiker mit diesem Psychotrick gnadenlos zum konsequenten Einhalten der Geschwindigkeit.

Während ich geradeaus blicke, schaut mein Audi für mich mit seinen Ultraschall-Augen in alle seitichen Winkel – vor allem in die toten. Und falls da was lebt, dann warnt er mich davor.

Wenn ich mal wieder durch das riesige Panorama-Glasdach Flugzeugen nachschaue (die ich natürlich unten überhole) und dabei die Spur nicht halte, dann schaut mein Audi für mich auf die Straße, erkennt die Linien, beginnt zuerst zu zittern und dann für mich zu lenken, damit mir nichts passiert.

Wenn ich dem vorausfahrenden Verkehr zu nahe komme, dann sieht mein Audi das für mich mit seinen Radar-Auge, rechnet Entfernung und Geschwindigkeiten zusammen und bremst für mich sanft ab. Zur Not sogar unsanft.

Und selbst wenn ich mal so tue, als würde ich ihm mit dem Fuß in den Hintern treten, dann sieht er das und öffnet mit einer kleinen Verbeugung ergeben die Heckklappe für mich.

Ausweichen aufweichen

Mein Audi ist ein Menschenfreund. Wenn ich dem Handbuch Glauben schenke, dann ist es praktisch unmöglich jemanden damit zu überfahren.

Doch wenn man die Mittelarmlehne hochklappt und ganz nach unten greift, dann ist dort ein kleiner Knopf versteckt, auf dem steht “Amok”.

Drückt man ihn, so werden Vorzeichen gewechselt. Die rot markierten Fußgänger leuchten plötzlich magnetisch grün. Launch Control launcht sich von alleine und übernimmt die Kontrolle des Gaspedals. Der künstlich erzeugte V8-Sound wird für unbemerktes Anschleichen des Sechszylinders ausgeschaltet. Das Licht dimmt sich und nur die Infrarot-Augen leuchten ungesehen.

Während sich der Audi mit Allrad in Richtung der Menge katapultiert, fahren im Cockpit sanft die Hochtöner von Bang & Olufsen aus, klassische Musik erfüllt den durch Doppelverglasung gedämmten Raum des Quattro quadrofonisch, und die Massagesitze kraulen dem Fahrer zärtlich den Rücken auf dessen Weg ins Verderben.

Nicht.

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